(Original-Gebrauchsanweisung der Firma Lineol)

Der Lineol-Tank

Liebe Jungen!

Zunächst etwas Allgemeines:

Der Panzerkampfwagen oder Tank wurde im Weltkrieg zuerst gebaut und auch zum ersten Male eingesetzt. Mit seiner großen Geländegänigkeit und seiner Unverwundbarkeit gegen Maschinengewehr- oder Infanteriegeschosse stellte dieser unheimliche Geselle eine starke Angriffswaffe dar, und man durfte im zutrauen, daß er vermöchte, den Krieg aus der Erstarrung der Grabenkampfes wieder in einen Bewegungskrieg zu verwandeln; aber das Völkerringen ging zu Ende, ehe er den Beweis hierfür erbringen konnte. - Auch im Frieden wurde diese Waffe weiterentwickelt, und heute besitzen alle modernen Heere Kampfwagen in großer Zahl - jedoch auch bewegliche, schnellfeuernde Kanonen mit panzerbrechenden Geschossen zur Bekämpfung der Tanks ihrer Gegner.

Auf ihren Raupen können Tanks fast in jedem Gelände fahren, nur tiefere Wasserläufe, Sümpfe, Wälder mit dichtem, altem Baumbestand und Böschungen mit mehr als 45o Neigung bilden für sie unüberwindliche Hindernisse. Auch legt man Tankfallen an; das sind Gruben mit steilen Wänden, die durch Überdecken mit Zweigen usw. für die Panzerwagen-Besatzungen unsichtbar gemacht werden.

Der Lineol-Tank ist eine naturgetreue Nachbildung des 2-Mann-Tanks unseres Heeres. Wie dieser ist er äußerst geländegängig, hat eine Steigfähigkeit bis fast 45o und kann geradeaus laufen sowie Rechts- und Linkskurven fahren. Selbständig dreht sich sein Panzerturm hin und her, und während der Fahrt hört man das Tack-Tack seiner Maschinengewehre und sieht deren Mündungsfeuer. - Aber das Überraschendste kommt erst: Der Lineol-Tank besitzt sogar eine eingebaute Vernebelungsanlage, die sich während der Fahrt selbst betätigt und eine Nebelwolke entwickelt, die ihn mehr oder weniger der feindlichen Sicht entzieht. - Jungens, mit diesem Tank und der unübertrefflichen Lineol-Infanterie müßt ihr jede Stellung nehmen!

Im Nachstehenden wollen wir nun seine Bedienung kennenlernen.

Die Seele des Ganzen ist der Motor - in unserem Falle: das Werk. Sein Aufzug befindet sich an der linken Tankseite, kurz vor der oberen hinteren Raupenführung. Bevor wir jedoch das Werk aufziehen, müssen wir folgendes wissen. Zur Bedienung des Werkes gehören drei Hebel. Der erste, der Bremshebel, befindet sich rechts vor dem Panzerturm, und die beiden anderen, die Ganghebel, finden wir hinten auf dem Tank, Die Wirkung der verschiedenen Hebelstellungen ist folgende:

Bremshebel nach hinten = Halt
Bremshebel nach vorn = Fahrt
Beide Ganghebel nach außen = Leerlauf
Beide Ganghebel nach innen = Geradeaus
Beide Ganghebel nach rechts = Rechtskurve
Beide Ganghebel nach links = Linkskurve

Vor dem Aufziehen des Werkes muß der Bremshebel auf „Halt" stehen. Dann erfolgt die Einstellung der gewünschten Fahrtrichtung. Hierbei kann mal vorkommen, daß dich ein Ganghebel sich sofort willig schalten läßt. Das ist eine ganz natürliche Erscheinung, die jeder Autofahrer kennt und ist durch leichtes Vor- oder Rückwärtsbewegung der Fahrzeuges zu beheben. Nun wäre noch von der Vernebelungsanlage zu sprechen. Zu ihrer Bedienung ist zunächst die Klappe vor dem Panzerturm zu öffnen und der Einsatz herauszunehmen. Dann wird in dessen Vertiefung, mit dem Loch nach oben, eine Nebelpille gesteckt. Nun wird aus der Büchse, welche vorn auf dem linken Kotflügel befestigt ist, eine kleine Menge Zündpulver in die Vertiefung der Nebelpille geschüttet, gerade so viel, daß das Loch ausgefüllt ist - keinesfalls mehr. (Das Pulver muß - sparsam angewendet - für wenigstens fünfzig Vernebelungen ausreichen, so daß ihr euch nur Nebelpillen nachzukaufen braucht.) Dann bringt man den Einsatz wieder an seine Stelle und schließt die Klappe. Während der Fahrt setzt sich die Vernebelung selbst in Tätigkeit. - Sehr wichtig ist aber, daß nach jedem Nebeln der Einsatz und die siebartige Lochung des Deckels mit dem Spaten gründlich gereinigt werden , nur dann darf man erwarten, daß immer wider alles einwandfrei funktioniert.

Sauberkeit und Pflege gegenüber einem so komplizierten Gerät, wie es euer Tank darstellt, muß euch selbstverständliche Pflicht sein. Hier dürft ihr kleinen Panzermänner euch nicht vom großen Vorbild, den richtigen Soldaten, beschämen lassen. Beim Appell darf keiner auffallen - alles muß da blitzen.

Von der Reinigung des Nebeleinsatzes sprachen wir schon, Dann ist noch zu sagen, daß die Lager der schellaufenden Welle mit den Funkenrädchen hin und wieder geölt werden müssen. Die Feurerrädchen selbst dürfen jedoch auf keinen Fall mit Fett berührt werden. Auch die Laufräder und Rollen sowie alle erreichbaren inneren Lagerteile sind von Zeit zu Zeit zu ölen. Die Raupen dagegen müssen unbedingt fettfrei gehalten werden.

Wenn die auf den Feuerrädchen laufenden Funkensteine einmal abgeschliffen sind, müssen deren Halter herausgenommen und dafür frische Einsätze ein gebaut werden. - Darum bittet ihr aber besser euren Vater. - Diese Funkenstein-Einsätze hängen mit ihren seitliche Angeln in zwei Lagern, davon ist das eine gelocht, das andere geschlitzt. Nachdem die geschlitzte Seite mit einer kleinen Zange etwas aufgebogen wurde, kann man den verbrauchten Einsatz herausnehmen und ein Ersatzteil dafür einsetzten. Danach wird die Schlitzseite wieder zugebogen. Wenn ihr nun alles Vorstehende begriffen habt, können die Übungen beginnen. Macht zunächst Fahr und Schaltversuche in flachen und hügeligem Gelände. Eure Fertigkeit wird bald so groß sein, daß ihr die Steuerungshebel auch während der Fahrt bedienen könnt. Und wenn hier alles klappt, probiert auch mal die Nebelanlage aus.

In jedem Jahre gibt die Lineol-Spielwarenfabrik für ihre Freunde ein neues Bilderbuch - als Lineol-Bilderbuch bekannt - heraus; darin findet ihr all die schönen Lineol-Spielsachen abgebildet: Lineol-Soldaten, -Figuren, -Tiere und -Fahrzeuge. Fragt danach euren Spielwarenhändler.


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